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Campus Weiße Rose
09.08.2017

Mitteilung Nr. 03 - 17 des DENKStättensekretariats

Im Fokus: „Galerie der Aufrechten“ in Dresden mit Schülerausstellung; Erstellung der Gesamtbroschüre mit Denkorten der Oberschwäbischen Erinnerungswege; Workshop zum Thema Zwangsarbeit; Antrag auf Mitgliedschaft in der LAGG; Vortrag über Todesmärsche; Gedenkveranstaltungen zur Reichspogromnacht in Bad Buchau; Gedenken an Hinrichtung der Mitglieder der Weißen Rose vor 75 Jahren

 

Sehr geehrte Mitglieder, sehr geehrte Freunde/Innen unseres Denkstättenkuratoriums,

 

nach längerer Pause möchten wir Sie wieder über die Aktivitäten des Sekretariats in den letzten Monaten informieren.

 

Ein besonderes Highlight in dieser Zeit war die Ausstellung der „Galerie der Aufrechten“ im Sächsischen Landtag in Dresden (04.04. – 18.05.17), die - noch von Wolfgang Marcus eingefädelt - von seinen Freunden in Dresden gut vorbereitet worden war. Die Eröffnung der Ausstellung im großen Foyer des Landtags, in dem die Porträts in großzügiger Anordnung gut zur Geltung kamen, war ein besonderes Erlebnis. Nach der Einleitung durch die stellvertretende Landtagspräsidentin Frau Dombois konnten vor großem Publikum der Vorsitzende des Studentenwerks Weiße Rose e.V., Herr Gerber, in das Thema Widerstand und die Ausstellung generell und ich speziell in die Porträts und Biographien der Ausstellung einführen. Diese wurde bereichert durch viele Schülerwerke zum Thema Widerstand, die im Kunstunterricht am Kreuzgymnasium und im St. Benno-Gymnasium – dem Gymnasium, an dem Wolfgang Marcus selbst Schüler war – unter Anleitung von Frau Sobczyk erstellt worden waren. Sie ergänzten die Galerie auf hervorragende Weise. Schön war auch, dass einige Schülerinnen bereit waren, im Rahmen der Eröffnungsreden ihre Werke und deren Entstehungsprozess vorzustellen. Die Ausstellung der Schülerwerke in Dresden war für uns noch einmal der Beweis, wie anregend und fruchtbringend die Ergebnisse der Auseinandersetzung der jungen Generation mit dem Thema sind. Deshalb haben wir besonders interessante Schülerwerke aus den Ausstellungen in Weingarten (Januar 2016), Mannheim (Oktober-November 2016), Dresden (April-Mai 2017) digital zusammengestellt, um sie als Anregung und Hilfe zur Kooperation mit Schulen allen ausleihenden Organisationen mit auf den Weg zu geben. Die nächsten Stationen der „Galerie der Aufrechten“ werden in diesem Jahr Dornbirn (03.10. – 12.11.17) und Lautlingen / Eckerwald (ab 16.11.17 - 07.01.18) sein. Im nächsten Jahr wird dann unsere Ausstellung im Stadtmuseum in Weimar ab dem 27. Januar präsentiert. In diesem Zusammenhang möchten wir nochmal betonen, dass wir die Ausstellung natürlich besonders gern an Mitglieder des Denkstättenkuratoriums ausleihen, wenn es für sie vielleicht einen speziellen Anlass wie einen Gedenktag gibt, und ihnen natürlich bei der Betreuung der Ausstellung helfen.

 

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist im Moment die Zusammenfassung der fünf Einzelbroschüren mit den Denkorten der verschiedenen Erinnerungswege zu einer Gesamtbroschüre.

Das Ziel bei dieser Arbeit besteht darin, die Broschüre übersichtlicher, einheitlicher und auch benutzerfreundlicher und praktikabler zu machen. Dazu werden Dopplungen beseitigt, eine einheitliche Struktur eingeführt, die Beiträge selbst etwas vereinheitlicht und aktualisiert, neue Denkorte wie z.B. Bregenz eingefügt. Außerdem soll ein Personenverzeichnis und ein Sachverzeichnis dem Benutzer helfen, schneller und gezielter Denkorte zu bestimmten Personen und Thematiken zu finden (z.B. „Euthanasie“, Zwangsarbeiter oder Widerständler). Wir haben das Ziel, diese Broschüre noch in diesem Jahr fertigzustellen. Deshalb bitten wir alle angeschriebenen Mitglieder, durch eine schnelle Aktualisierung ihrer Beiträge – meistens Grußworte neuer Amtsträger – dabei zu helfen, unseren Zeitplan einzuhalten.

 

Wichtig, um unser historisches Anliegen auch politisch fruchtbar zu machen, ist unserer Erfahrung nach die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen. So veranstaltete in Weingarten Ende Juni die das Studentenwerk Weiße Rose in Zusammenarbeit mit der Weingartener Stelle des Bundesprogramms „Demokratie leben“ und mit Hilfe der Weingartener Integrationsbeauftragten Frau Bürger-Steinhauser einen Holzschnitzworkshop mit dem englischen Künstler Robert König, der schon vor zwei Jahren mit der Ausstellung seiner überlebensgroßen Holzfiguren „Odyssee“ Aufsehen in Weingarten erregt hatte. Jetzt ging es in Begleitung seines Schnitzworkshops, in dem Schüler und Passanten ihre Hände in ein Holzbrett schnitzen konnten, um das Thema Zwangsarbeit, da Robert Königs Mutter eine aus Polen nach Speyer verschleppte Zwangsarbeiterin war, die den Krieg mit nur 25 kg Körpergewicht überlebte und später nach England auswanderte und trotz starker gesundheitlicher Folgeschäden der Zwangsarbeit noch 6 Kinder bekommen hat und aufziehen konnte. Zusammen mit Studentinnen der PH Weingarten arbeiteten wir das Thema Zwangsarbeit allgemein und in Weingarten speziell auf und stellten eine kleine Ausstellung zusammen. In einem Gedenkgottesdienst von Dekan Schmid in der Basilika, einer anschließenden Erinnerungszeremonie an der Stolperschwelle zur Erinnerung an den Tod von 156 Zwangsarbeitern aus Osteuropa und in einem öffentlichen Vortrag über das Thema Zwangsarbeit allgemein und speziell in Weingarten wurde das Thema vertieft. Zur Veranschaulichung der Lebensverhältnisse der ZwangsarbeiterInnen wurden Stellen aus den Lebenserinnerungen von Robert Königs Mutter, Maria König, und aus dem preisgekrönten Buch von Natascha Wodin („Sie kam aus Mariupol“) verlesen, in dem die Autorin über das Leben ihrer Mutter als Zwangsarbeiterin in Deutschland schreibt. Ein schönes Ergebnis der Vortragsveranstaltung war der Bericht eines 92-jährigen Zeitzeugen über das „Russenlager“ in Weingarten, die Ausgrenzung der Zwangsarbeiter, aber auch über menschliche Hilfsbereitschaft, verbunden mit Angst vor Bestrafung.

Nach dieser fruchtbaren Zusammenarbeit mit „Demokratie leben“ ist eine weitere Zusammenarbeit bei der Planung von zwei Workshoptagen an Weingartener Schulen im Herbst geplant, in denen die Bundesorganisation „Gesicht zeigen“ mit Schülern das Thema „Zivilcourage“ aufarbeiten will.

 

Die Vorteile der Vernetzung noch stärker nutzen als bisher will das Sekretariat des Denkstättenkuratoriums in Zukunft durch eine Mitgliedschaft in der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten in Baden-Württemberg (LAGG). Nach dem Besuch von Frau Thelen von der Abteilung Gedenkstättenarbeit der Landeszentrale für politische Bildung im Januar zur Jahreshauptversammlung und unser Teilnahme an der Jahrestagung der LAGG im März in Bad Urach haben wir beschlossen, einen Antrag des Denkstättenkuratoriums auf Aufnahme in die LAGG zu stellen. Von dieser Aufnahme erhoffen wir uns noch mehr gegenseitige Information, Mitwirkungs- und Zuschussmöglichkeiten. Eine große Beratungshilfe bei diesem Schritt war uns Gertrud Graf, Gründungsmitglied und langjährige Vorsitzende der Gedenkstätte Eckerwald, die auch lange Zeit Mitglied im Sprecherrat der LAGG war. Nachdem Sie nun in Mochenwangen wohnt, wird sie in Zukunft uns bei unserer Arbeit unterstützen. Sie hat im Übrigen auch die Todesmärsche der KZ-Häftlinge aus den „Wüste-Lagern“ erforscht und dokumentiert und ist bereit, darüber in den betroffenen Orten zu referieren.

 

Die Gestaltung von Gedenktagen steht auch immer wieder im Zentrum unserer Überlegungen. So plant Mike Jörg vom Studentenwerk Weiße Rose zusammen mit der Verfassten Studierendenschaft der PH Weingarten eine Fahrt nach Bad Buchau im November zur Erinnerung an die Zerstörung der Bad Buchauer Synagoge bei der Reichspogromnacht vor 79 Jahren und an Erinnerungsfahrten Weingartener Studenten zu diesem Anlass nach Bad Buchau in den Jahren 1978 und 1988, die die Erinnerungskultur in diesem Ort belebten. Außerdem plant das Studentenwerk Weiße Rose und das Denkstättensekretariat für Studierende und die Bevölkerung als Gedenkveranstaltungen an den 75. Jahrestag der Hinrichtung der Geschwister Scholl und der anderen Mitglieder der Weißen Rose Autorenlesungen mit Jutta Schubert („Zu blau der Himmel im Februar“ – ein Buch über die letzten Tage von Alexander Schmorell vor seiner Festnahme) und Informationsveranstaltungen - eventuell auch mit Inge Jens über die von ihr edierten Briefe und Aufzeichnungen von Hans und Sophie Scholl.

 

So bleibt es immer wieder unsere Aufgabe, anlässlich solcher Gedenk- und Jahrestage die Erinnerung an die NS-Zeit zu beleben und gleichzeitig Konsequenzen aus den dabei gewonnenen Erkenntnissen für die politische Bildung heute zu ziehen. Das scheint gerade in unserer heutigen Zeit wichtig, in der Demokratie nicht mehr selbstverständlich erscheint. Bei dieser Aufgabe wollen wir uns als Mitglieder unseres Netzwerks auch weiterhin unterstützen und stärken. Wir hoffen, dass wir Ihnen in diesen Mitteilungen einige motivierende Informationen und Anregungen dazu geben konnten, und freuen uns immer über Rückmeldungen, Informationen, Ideen und Anregungen von Ihrer Seite.

 

 

In diesem Sinne grüßen Sie alle ganz herzlich

 

Ihre

Uwe Hertrampf                                   Philipp Stäbler

(für das Denkstättensekretariat)           (für das Studentenwerk Weiße Rose e.V.)

 

Anhang

 

1.    Datei mit ausgewählten Schülerwerken

2.    Artikel der Schwäbischen Zeitung vom 29.06.2017 zum Projekt „Zwangsarbeit“ mit Künstler Robert König

DENKStättenkuratorium
NS-Dokumentation
Oberschwaben

Prof. Dr. W. Marcus, Beauftragter
f. d. Denkstättensekretariat
Briachstr. 10, 88250 Weingarten

Tel.: 0751/560838-0
Fax: 0751/560838-14
E-Mail: info@dsk-nsdoku-oberschwaben.de
Web: www.dsk-nsdoku-oberschwaben.de