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Campus Weiße Rose
10.02.2017

Mitteilung Nr. 01 - 17 des DENKStättensekretariats

Im Fokus: Neues Mitglied Bregenz, Jahresversammlung des Denkstättenkuratoriums am 20. Januar 2017; Bedeutung der Vernetzung und des Dialogs; „Ausleihe der Galerie der Aufrechten“; Gedenktag 27. Januar: Aktion der Geschwister-Scholl-Schule ( KBZO ) in Weingarten; Gedenktafel an ehemaliger Kreiszentrale der NSDAP in Ravensburg, Seestraße 32

 

Sehr geehrte Mitglieder, sehr geehrte Freunde/Innen unseres Denkstättenkuratoriums,

 

zuerst möchten wir mit der Stadt Bregenz ein neues Mitglied in unserem Denkstättenkuratorium begrüßen. Durch eine Anregung aus der Verwaltung veranlasst - kam es im Dezember 2016 unter Vermittlung des Stadtarchivars Thomas Klagian zum Beitritt der Landeshauptstadt von Vorarlberg. Bregenz, das schon seit langem die Erinnerungskultur pflegt, verfügt über zwei Denkorte, den im Jahre 2002 eröffneten Gedenkweg ( Widerstand und Verfolgung 1938 – 1945 in Bregenz ) und das im November 2015 nach einem Wettbewerb enthüllte Widerstandsmahnmals, das im Stadtzentrum in Form einer „Fallblattanzeige“ in ständigem Wechsel Namen von Widerständlern, Deserteuren und Opfern der NS-Herrschaft und einige erläuternde Informationen zeigt. Ein Besuch dieser zwei Denkorte lohnt sich. Herr Klagian wird Sie in seiner freundlichen Art sicher gerne führen. Wir freuen uns jedenfalls sehr, dass wir durch die Aufnahme der Stadt Bregenz die kleine Lücke auf unserem „Oberschwäbischen Erinnerungsweg“ zwischen Friedrichshafen und Diepoldsau / Hohenems füllen können und den Aspekt der grenzüberschreitenden Erinnerungskultur (sehen Sie dazu auch das Referat von Frau Thelen in den Anlagen) verstärken können.

 

Im Zentrum der heutigen Mitteilungen soll die Berichterstattung über die Jahresversammlung des Denkstättenkuratoriums am 20.1.2017 stehen. Dazu bekommen Sie in den Anlagen ein Protokoll mit den Grußworten von Herrn Gerber, mit dem Jahresbericht 2016 und der Jahresplanung 2017 von mir sowie dem Protokoll der Diskussion über Perspektiven der weiteren Arbeit des Denkstättenkuratoriums. Dazu kommt als Anlage das Grußwort von Herrn Prof. Dr. Knapp als Rektor der PH Weingarten, eine Einführung in die „Galerie der Aufrechten“ sowie das Referat von Frau Thelen von der Landeszentrale für politische Bildung „Perspektiven der Denkstättenarbeit, Forschung – Vernetzung – Bildungsarbeit“. Alle diese Materialien verdienen Ihre Aufmerksamkeit. Wir möchten an dieser Stelle nur einen Punkt hervorheben, nämlich den Gedanken der Vernetzung als Grundgedanken und Hauptzweck unseres Denkstättenkuratoriums. Die Vorträge und die Diskussion der Versammlung machten deutlich, wie wichtig diese Vernetzung ist und welche Chancen sie uns allen eröffnet. Deswegen sollten wir alle uns bemühen, die Vernetzung noch zu verstärken und noch stärker zu nutzen. So möchten wir auch diese Mitteilungen stärker dazu verwenden, um untereinander Ideen und Berichte über beispielgebende Projekte auszutauschen und den Dialog zu pflegen. Wenn Sie also solche Ideen haben und beispielhafte Projekte durchgeführt haben, schreiben Sie uns doch davon. Wir werden sie über diese Mitteilungen verbreiten. Davon profitieren wir alle. In Zukunft soll deshalb auch die Jahresversammlung immer einen Diskussionsteil enthalten, der den gemeinsamen Austausch und das gemeinsame Nachdenken über unsere Arbeit ermöglicht.

 

Einen Beitrag zur Vernetzung unserer Denkorte leistet auch unsere „Galerie der Aufrechten“, die viele Widerständler und Opfer im Porträt zeigt, die bei Ihnen vor Ort gelebt und gewirkt haben. Deshalb bieten wir Ihnen an, diese Ausstellung an Ihren Denkorten zu zeigen, und freuen uns, wenn Sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Näheres zur „Galerie der Aufrechten“, ihren Möglichkeiten und Ausleihmodalitäten entnehmen Sie bitte der Einführung in die „Galerie der Aufrechten“ in den Anlagen.

Ein Beispiel für die Vorteile der Vernetzung zeigte auch die Gestaltung des Gedenktags vom 27. Januar an der Geschwister-Scholl-Schule ( KBZO ) in Weingarten. Diese Schule hatte dazu die Ausstellung über die Weiße Rose von der Crailsheimer Initiative „Weiße Rose“ ausgeliehen und durfte sich über eine die Schüler sehr ansprechende Rede von Frau Mroßko von dieser Initiative freuen. Außerdem gipfelte an diesem Tag eine beispielgebende Aktion einiger Klassen und Lehrer. Diese hatten sich im Unterricht über die Namensgeber der Straßen des benachbarten Wohnviertels ( Bischof Sproll, Geschwister Scholl, Reinhold Frank, Gertrud Luckner, Maximilian Kolbe, Georg Elser ) informiert, in einer Fragebogenaktion die Kenntnisse der Anwohner dieser Straßen über die Namensgeber ihrer Straßen eruiert und sich daraufhin entschlossen hatten, selbst Zusatzschilder mit Informationen über die Namensgeber im Kunstunterricht anzufertigen und sie – mit Erlaubnis der Stadt – am 27. Januar an den entsprechenden Straßenschildern anzubringen. Außerdem stellten sie ein Antrag auf dauerhafte Anbringung von Zusatzschildern an die Stadt Weingarten.

Unter dem Aspekt der Vernetzung nahm das Denkstättensekretariat mit Herrn Gerber, Herrn Stäbler und mir auch die Möglichkeit wahr, sich auf dem „Markt der Gedenkstätten und Opferorganisationen“ anlässlich der zentralen Gedenkfeier vom 27. Januar im Landtag von Baden-Württemberg zu präsentieren und andere Initiativen kennenzulernen. Auch die Teilnahme an der Tagung der LAGG (Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten in Baden-Württemberg) in Bad Urach am 11./12. März sehen wir im Sinne eines Ausbaus der Vernetzung als sinnvoll an.

 

Schließen möchten wir mit einem kurzen Bericht über die Anbringung einer Gedenktafel am Gebäude Seestraße 32 in Ravensburg. Dieses Gebäude war im letzten Jahr zum Modell für das Rutenfestabzeichen gewählt worden – in Unkenntnis seiner Geschichte als Kreiszentrale der NSDAP und Sitz des Kreisleiters Rudorf von 1937 – 1945, von dem aus viel Leid und Verderben ausging. Dieser Vorgang zeigte ganz plastisch die Notwendigkeit der Nachbesserung in Sachen städtischer Erinnerungskultur speziell im Hinblick auf dieses Gebäude. Die ursprüngliche Ablehnung einer Gedenktafel an diesem Gebäude durch die Stadt wurde auf Anraten eines Arbeitskreises aus Fachleuten aufgegeben, und Anfang Februar wurde vom Bürgermeister Simon Blümcke eine Gedenktafel enthüllt. Dieser nutzte die Gelegenheit, auf die beispielhafte Arbeit der Stadt Ravensburg in Sachen Erinnerungskultur – auch in Verbindung mit dem ZfP Weißenau -  hinzuweisen. So sollen z.B. auf der Homepage des Stadtarchivs in Zukunft Literatur und Quellen zur Stadtgeschichte in der NS-Zeit, Kurzbiographien zu allen Ravensburger Stolpersteinen und Führungen und museumspädagogische Module mit Verlinkung zum ZfP und zum Denkstättensekretariat bereitgestellt werden. Ein anderes interessantes Projekt stellt der Versuch dar, Migranten und Flüchtlinge unter dem Motto „Nie wieder Antisemitismus“ mit der Diskriminierung, Entrechtung und Verfolgung von Juden in Ravensburg im „Dritten Reich“ vertraut zu machen. Dieses Projekt entspricht einem neuen Ansatz der Gedenkstättenpädagogik, nämlich der Einbeziehung der Erfahrungen von Flüchtlingen und Migranten hinsichtlich Diskriminierung, Verfolgung und Vertreibung in die Vermittlung unserer Erinnerungskultur.

 

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen und vor allem auch den Anlagen weitere Motivation und Anregungen für Ihre Arbeit geben zu können, und freuen uns über Rückmeldungen und Kontakte in unserem Netzwerk des Denkstättenkuratoriums.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre

 

Uwe Hertrampf                                   Philipp Stäbler

(für das DENKstättensekretariat)       (für das Studentenwerk Weiße Rose e.V.)

 

Anhang:

1. Protokoll der Vollversammlung

2. Grußwort von Prof. Dr. Werner Knapp - Rektor der PH Weingarten

3. Vorstellung Galerie der Aufrechten

4. Impulsreferat von Sybille Thelen, LpB

DENKStättenkuratorium
NS-Dokumentation
Oberschwaben

Prof. Dr. W. Marcus, Beauftragter
f. d. Denkstättensekretariat
Briachstr. 10, 88250 Weingarten

Tel.: 0751/560838-0
Fax: 0751/560838-14
E-Mail: info@dsk-nsdoku-oberschwaben.de
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