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Juden im Mittelalter

Ulm

Die jüdische Geschichte Ulms ist durch eine Vielzahl von Brüchen gekennzeichnet und findet seit dem Mittelalter im Spannungsfeld zwischen Aufbau und Zerstörung statt. Jede dieser Phasen hat Spuren im Stadtbild hinterlassen.

Die erste schriftliche Erwähnung geht dabei auf das Jahr 1233 zurück. Die prosperierende Gemeinde hatte ihr geistliches und gesellschaftliches Zentrum auf dem Judenhof. Hier befanden sich die Synagoge mit Mikwe, ein Tanzhaus, ein Gemeindebackhaus und ein Spital. Der Platz war jedoch kein Ghetto. Auch christliche Familien lebten hier. Die Gemeinde wurde aber bereits 1348/49 durch ein Pogrom zerstört. Die Neugründung erfolgte fünf Jahre später und das Zusammenleben zwischen Juden und Christen normalisierte sich teilweise. Der Finanzier Jakob bar Juda, genannt Jäcklin, hatte wesentlichen Anteil an der Ausweitung des ulmischen Territoriums, etwa durch den Kauf Langenaus, in den 1370er Jahren. Von den „Judenschuldtilgungen“ von 1385/90 konnte sich die Gemeinde nicht mehr erholen, zumal sie seit Beginn des 15. Jahrhunderts wirtschaftlich zunehmend verdrängt und schließlich 1499 aus der Stadt vertrieben wurde.

Aber nicht nur am Judenhof, sondern auch am Haus „Rabengasse 7“ sind Spuren erhalten geblieben. An der Hausmauer im ersten Stock ist ein Grabstein mit hebräischer Inschrift eingelassen. Der Stein wurde nach der durch die Stadterweiterung des frühen 14. Jahrhunderts bedingten Auflassung des ersten jüdischen Friedhofs wohl als Baumaterial des mittelalterlichen Hauses verwendet. Weitere Grabsteine aus dieser Epoche finden sich im südlichen Chorturm des Münsters.

Text: I. Bergmann

 

Quelle: Stadtarchiv Ulm (Hrsg.): Zeugnisse zur Geschichte der Juden in Ulm. Ulm 1991

Quelle: Stadt Ulm (Hrsg.); Ingo Bergmann (Autor): Und erinnere dich immer an mich. Gedenkbuch für die Ulmer Opfer des Holocaust. Ulm 2009

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