Denkstaettenkuratorium NS Dokumentation Oberschwaben
wechseln zu
Campus Weiße Rose

Kriegsverbrechen

Waldburg-Hannober

Kriegsverbrechen im Raum Waldburg Am 24. April 1945, wenige Tage vor Einmarsch der französischen Truppen, machte ein Wehrmachtsstandgericht im Gasthaus „Sonne“ zu Edensbach „kurzen Prozess“ mit zwei Soldaten. In einer naheliegenden Kiesgrube wurden sie als Deserteure an einem Baum erhängt, wie sich Zeitzeugen verlässlich erinnern.

Doch nicht genug des Mordens! Gegen Mittag des darauffolgenden Tages wurden zehn polnische Zwangsarbeiter, die Soldaten in den umliegenden Wäldern aufgegriffen hatten, in derselben Kiesgrube mit Maschinengewehren exekutiert. Russische „Hiwis“ mussten die Leichen, wie auch tags zuvor, an Ort und Stelle verscharren.

Im August 1945 wurden alle zwölf Opfer auf den Friedhof von Hannober umgebettet und kirchlich bestattet. Während die ermordeten Polen anonym geblieben sind, konnten die zwei exekutierten Deserteure mit Hilfe der Wehrmachtsauskunftsstelle in Berlin identifiziert werden: Rudolf Harry Kuhfeld (27) aus Berlin und Horst John (21) aus Neufechingen/Saar.

Trotz der chaotischen Zustände in den letzten Kriegswochen finden sich in Archiven und in mehreren, unabhängig voneinander entstandenen Zeitzeugenberichten konkrete Angaben zu den beteiligten Wehrmachtseinheiten und deren Offizieren, die offensichtlich für weitere Bluttaten in Oberschwaben verantwortlich gemacht werden können. Kriminalpolizeiliche Ermittlungen bis in das Jahr 1953 verliefen im Sande – trotz des Aktenvermerks „Zweifellos könnten beim Studium der umfangreichen Akten noch weitere Tatzeugen festgestellt werden“.

Heute erinnern an diese Mordtaten die Grabsteine auf dem Friedhof Hannober und der Gedenkstein am Ort der Verbrechen, der auf Betreiben einiger Zeitzeugen 1988 errichtet wurde. Die Pax Christi-Gruppe Ravensburg hält seither durch jährliche Gedenkveranstaltungen die Erinnerung wach.

Wegbeschreibung: Südöstlich von Waldburg an der Landstraße nach Hannober liegt der Ortsteil Inneredensbach, an dessen Ende am linken Straßenrand etwas erhöht am Hang der früheren Kiesgrube der Gedenkstein steht.

Text: W. U. Strittmatter

 

Literatur: Wolf-Ulrich Strittmatter: Kriegsverbrechen im Raum Waldburg. In: Sibylle Emmrich / Dorothee Breucker / Peter Eitel (Hrsg.): Kriegsende und Neubeginn. Das Jahr 1945 in Ravensburg, Weingarten und Umgebung, Ravensburg 1996, S. 51 – 57

Download der Gesamtbroschüren

Denkorte an oberschwäbischen Erinnerungswegen im Landkreis Ravensburg
Denkorte an oberschwäbischen Erinnerungswegen in den Landkreisen Bodenseekreis und Sigmaringen
Denkorte an oberschwäbischen Erinnerungswegen in der Stadt Ulm und den Landkreisen Alb-Donau und Biberach
Denkorte an oberschwäbischen Erinnerungswegen - Ergänzungsheft
Denkstätte Widerstand Weingarten - Campus Weiße Rose - Widmungshäuser
DENKStättenkuratorium
NS-Dokumentation
Oberschwaben

Prof. Dr. W. Marcus, Beauftragter
f. d. Denkstättensekretariat
Briachstr. 10, 88250 Weingarten

Tel.: 0751/560838-0
Fax: 0751/560838-14
E-Mail: info@dsk-nsdoku-oberschwaben.de
Web: www.dsk-nsdoku-oberschwaben.de