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Gefängnis Rotes Haus

Ravensburg: Herrenstraße 43

Menschen, die in Ravensburg politischen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime leisteten oder den Machthabern „unbequem“ waren, wurden in das städtische Gefängnis, das sogenannte „Rote Haus“ gesperrt. Die inzwischen abgerissene Strafvollzugsanstalt am Schellenberger Turm war daher Symbol des nationalsozialistischen Unrechtstaates. Den größten Widerstand gegen dieses Regime leisteten politisch linke Gruppierungen sowie die Kirchen. Von der Machtergreifung bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sind in Ravensburg insgesamt 35 politisch bedingte Verhaftungen nachweisbar. Grundlage für die Verhaftungen waren oftmals Kleinigkeiten, wie die Störung von politischen Rundfunksendungen oder Verweigerung des Hitlergrußes.

Der bekannteste Häftling des „Roten Hauses“ war der an der Liebfrauenkirche wirkende Jesuitenpater Hermann Huber. Nachdem er, während eines privaten Religionsunterrichts im „Klösterle“, im September 1939 Kritik am nationalsozialistischen Deutschland geäußert hatte, wurde er am Tag darauf von der Gestapo verhaftet. Im Dezember 1939 sollte sein Prozess vor einem Stuttgarter Sondergericht stattfinden. Auf dem Weg vom Gefängnis bis zum Bahnhof wurde Huber begeistert zugewunken. Er wurde in Stuttgart zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt. Aufgrund seiner Popularität verwehrte das NS-Regime dem unliebsamen Delinquenten die Rückkehr nach Ravensburg.

Text: M. Spohr

 

Literatur: Peter Eitel, Formen des Widerstands in der NS-Zeit, in: Peter Eitel (Hrsg.), Ravensburg im Dritten Reich. Beiträge zur Geschichte der Stadt, Ravensburg 1997, S.126-142.

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