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Das Pfarrhaus von Mooshausen

Aitrach: Mooshausen

Josef Weiger (1883-1966) , seit 1917 Pfarrer in Mooshausen, gab bereits 1923 in einem Artikel der Frankfurter- A llgeme i n en eine genau enthüllende Beschreibung der NS-Ideologie. Seinem Freund, dem Religionsphilosophen und Theologen Romano Guardini , wurde 1939 in Berlin dessen Lehrstuhl für katholische Weltanschauung durch „Aufhebung“ entzogen. Dass Guardini einen nachdenklichen Teil studierender Jugend gegen den NS-Staat zu immunisieren vermochte, ist manchen Zeugnissen zu entnehmen. Bekanntlich lasen Willi Graf von der Weißen Rose und auch Hans und Sophie Scholl seine Bücher und machten sich daraus Notizen, ebenso wie Tausende anderer. Nach zunehmendem Bombardement in Berlin fand Romano Guardini von 1943-1945 eine Heimstatt im Pfarrhaus von Mooshausen, wurde aber auch dort von der Gestapo observiert. In Mooshausen entstanden kulturkritische Schriften, die erst nach dem Krieg erschienen: Der Heilbringer in Mythos, Offenbarung und Politik (1946), Das Ende der Neuzeit (1950) und Die Macht (1951), ebenso die Münchner Rede vom 4. 11. 1945 über die Weiße Rose: Die Waage des Daseins. Daraus erwuchs die Tübinger Rede vom 23. 5. 1952: Verantwortung. Gedanken zur jüdischen Frage.

Mit dem Hochland-Kreis um Carl Muth und Theodor Haecker im geistigen Fundament verbunden, mit dem als Direktor des Stuttgarter Eberhard-Ludwig-Gymnasiums amtsenthobenen Hermann Binder und dem ihm verbundenen regimekritischen Gesprächskreis ganz in der Nähe in Treherz im Dialog stehend, lebten die Freunde im idyllischen Pfarrhaus von Mooshausen im politischen Dauerrisiko.

Der Künstler Wilhelm Geyer (1900-1968), in Mooshausen geschätzter Gast, befreundet mit Josef Weiger und Romano Guardini, stand 1943 wegen seiner Kontakte zu Hans und Sophie Scholl von der Weißen Rose vor dem Schwurgericht in München, wurde aber mangels Beweisen freigesprochen.

Zum Freundeskreis Guardinis in Berlin und Josef Weigers in Mooshausen gehörten Dr. Erwin Planck und seine Frau Nelly. Das Pfarrhaus kannte Erwin Planck aus persönlicher Anwesenheit. Von den Nazis aus dem Staatsdienst entlassen, wurde er wenige Tage nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 verhaftet, gefoltert und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Er wurde am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet: zusammen mit neun anderen Widerständlern, darunter Eugen Bolz, Helmuth James Graf von Moltke und Nikolaus Groß.

Text: H. B. Gerl-Falkowitz

 

Detlef Bald / Jakob Knab, Hg. „Die Stärkeren im Geiste. Zum christlichen Widerstand der Weißen Rose“. Essen 2012. Hans Günther Hockerts / Hans Maier, Hg. Christlicher Widerstand im Dritten Reich. EDITION MOOSHAUSEN, Annweiler 2002. www-mooshausen.de.

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