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Zwangsarbeiterlager

Standort Ulm: Wilhelmsburg

Um die dortigen Produktionsstätten vor der herannahenden Ostfront in Sicherheit zu bringen, verlagerte die Firma Telefunken ab Mitte 1944 unter dem Decknamen „Geheime Reichssache Kastanie“ ihr im polnischen Lodz befindliches Zweigwerk auf die Wilhelmsburg nach Ulm. Mit den Fertigungsanlagen kamen zahlreiche polnische, mehrheitlich sehr junge Zwangsarbeitskräfte in die Zitadelle der ehemaligen Bundesfestung, um hier unter unsäglichen Arbeitsbedingungen – leidend unter Hunger, Kälte, psychischer und häufig auch körperlicher Misshandlung – bis zu ihrer Befreiung durch US-Streitkräfte im April 1945 elektronische Röhren für die Luftwaffe und weitere militärische Einsatzbereiche zu fertigen. Auch im restlichen Stadtgebiet und in der landwirtschaftlich geprägten Umgebung hatten insgesamt etwa 14.000, aus den besetzten Gebieten stammende zivile Zwangskräfte und Kriegsgefangene während des Zweiten Weltkriegs als Hilfskräfte in der hiesigen Industrie, im Handwerk, im Handel, im Dienstleistungsgewerbe, in der Landwirtschaft, in der Verwaltung und auch in vielen privilegierten Privathaushalten Zwangsarbeit leisten müssen. Die große Zahl von ihnen stammte aus der Sowjetunion, aus Polen und aus Westeuropa. Ihre größten Arbeitgeber vor Ort waren Magirus (ca. 3.000 Zwangskräfte), die Reichsbahn (ca. 1.800), Telefunken (ca. 1.500), Wieland (ca. 1.400), Eberhardt (ca. 750) und Kässbohrer (ca. 550). Es gab eine Vielzahl weiterer Unterbringungsorte in der Stadt, von denen das „Zwangsarbeiterlager West“ am Roten Berg (bis 2.300 Insassen) und das „Zwangsarbeiterlager Ost“ in der Friedrichsau (über 1.000 Insassen) die beiden größten waren.

Text: Ulrich Seemüller

 

Literatur: Ulrich Seemüller: Industrie, Gewerbe und Handel im Zeichen der Kriegswirtschaft, in: Hans Eugen Specker (Hrsg.): Ulm im Zweiten Weltkrieg (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Reihe Dokumentation, Bd. 6), Ulm 1995, S. 189-239 (hier insbesondere das Kapitel „Die Kriegsgefangenen und zivilen Zwangsarbeiter“, S. 216-228). - Silvester Lechner (Hrsg.): Schönes, schreckliches Ulm. (DZOK-Manuskripte 3, 1996), Ulm 1996. - Annette Schäfer: Der Einsatz polnischer und russischer Zwangsarbeiter in Ulm 1939-1945, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte, 59. Jg./2000, S. 273-299.

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