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Elisabeth Herrmann und Sofie Maucher (KZ-Opfer wegen "Rassenschande")

Standort Baienfurt

Elisabeth Herrmann

Auf den Bauernhöfen Baienfurts, vor allem in Köpfingen, kamen sich während des Krieges junge Bauerntöchter und junge polnische Zwangsarbeiter bei der gemeinsamen Arbeit und dem gemeinsamen Wohnen auf den Höfen näher. Es kam zu Freundschaften und auch zu intimen Beziehungen. Diese waren streng verboten und hart bestraft, weil sie gegen das Gebot der „Reinhaltung deutschen Bluts“ verstießen.

Eines der Mädchen aus Köpfingen machte aus der Beziehung zu einem jungen Polen kein Geheimnis und berichtete einer Freundin in Weingarten von ihrer Schwangerschaft und von einem Abtreibungsversuch. Die Freundin erzählte das weiter, was zu einer anonymen Anzeige an die Gestapo Friedrichshafen führte. Auf Grund dieser Anzeige wurden im April 1944 zuerst der 23-jährige Pole und bald darauf weitere – durch dessen Aussagen mit dem Vorwurf des Geschlechtsverkehrs mit Köpfinger Mädchen belastete – fünf polnische Zwangsarbeiter aus Baienfurt und Baindt verhaftet. Deren Verhöre führten zur Festnahme von 4 jungen Frauen aus Köpfingen. Drei von ihnen kamen in ein KZ, aus dem zwei – auf Fürsprache der Kreisbauernschaft – bis Ende März 1945 wieder entlassen wurden. Elisabeth Herrmann, die ein uneheliches Kind im Alter von 4 Jahren hatte, kam im Verlauf des Jahres 1944 in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, wo sie im Wald arbeiten musste. Dorthin hatte die Gestapo auch Sofie Maucher aus Kickach gebracht, die am 20. April 1944 – ebenfalls wegen des Vorwurfs intimer Beziehungen zu einem polnischen Landarbeiter – verhaftet worden war. Elisabeth Herrmann wurde trotz mehrfacher Eingaben der Kreisbauernschaft nicht freigelassen, genauso wenig wie Sofie Maucher. Die beiden jungen Frauen blieben nach dem Krieg vermisst. Sie sind in Ravensbrück oder dem Neben- und Vernichtungslager Uckermarck umgekommen. Sofie Maucher und Elisabeth Herrmann waren 22 Jahre alt, als sie der wahnsinnigen Rassenideologie der Nationalsozialisten zum Opfer fielen.

Text: Uwe Hertrampf

 

Quellen: Gemeindearchiv Baienfurt, Bü 537/2; Nachlass der Elisabeth Herrmann

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