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Der Friedhof

Standort Aulendorf

Mit dem Vorrücken der alliierten Streitkräfte auf deutschem Staatsgebiet setzte unter den NS-Machthabern auch in Oberschwaben eine Fluchtbewegung in Richtung Süden und nach den Alpen zu ein. Diese Absetzbewegungen hatten jedoch für NS-Funktionäre nicht nur den Zweck, sich persönlich in Sicherheit zu bringen. Im Zuge dieser Absetzbewegungen wurden auch die Außenstellen der Konzentrationslager im hiesigen Raum aufgelöst und deren Insassen auf den Marsch in Richtung Süden gesetzt. Beim Durchmarsch einer solchen Kolonne durch Aulendorf am 22. April 1945 kam es zu 6 Todesfällen auf Aulendorfer Gemarkung. Die Häftlinge wurden entweder erschossen oder sie erlagen den Strapazen des Marsches und starben aus Erschöpfung. Zusammen mit zwei weiteren getöteten KZ- Häftlingen, die auf Gemarkung Zollenreute aufgefunden wurden, wurden die sterblichen Überreste der insgesamt 8 ermordeten Personen in einem Sammelgrab auf dem Aulendorfer Friedhof bestattet. Die Toten konnten nicht identifiziert werden, da sie weder persönliche Papiere mit sich führten, noch waren sie im Besitz von Erkennungsmarken. Ihre Zuordnung als KZ-Häftlinge erfolgte anhand ihrer gestreiften Häftlingskleidung. Diese Ereignisse fanden erst nach 6 Jahren Eingang in eine amtliche Protokollierung und zwar in Form einer Meldung über die Beurkundung der Standesamtsfälle in den früheren Konzentrationslagern und ihrer Außenkommandos an das zuständige Landratsamt. Demnach wurden am 22. April 1945 vier der Ermordeten auf Aulendorfer Gemarkung von einer Wehrmachtseinheit auf dem Aulendorfer Friedhof beigesetzt. Am 27 April 1945 – Aulendorf war inzwischen von den Franzosen besetzt – wurden zwei weitere Opfer aufgefunden und bestattet. Für das Jahr 1955 lässt sich die Existenz und die Pflege der Grabstätte für die insgesamt acht in einem Sammelgrab bestatteten Opfer anhand von Abrechnungen an das Landratsamt noch nachweisen. Es werden Grabtafeln aus Holz beschafft und mit Inschriften versehen. Die Lage des Grabes wird in allen Berichten mit „in der Nähe der Kindergräber“ angegeben.

Text: Werner Radlow, Bildquelle: Amtsblatt Bad Waldsee

 

Archiv Aulendorf, in A1623, Meldung des Bürgermeisters an das Landratsamt vom 2. März 1949 ebd., in A1623, Meldung des Standesamts Aulendorf an das Landratsamt Ravensburg vom 21. Februar 1950

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