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Stolperstein für Franz Klauser

Überlingen

Franz Klauser wurde am 11.März 1907 in Seebach im Kreis Bühl in Baden geboren. Dort ging er auch in die Schule. Er wurde Hausdiener in verschiedenen Hotels und Krankenhäusern. Am 8. Mai 1937 begann er seine Arbeit als Hausdiener im spitälischen Krankenhaus in Überlingen. Er hatte auch sein Zimmer im Krankenhaus in der St.Ulrichstr.20.

Franz Klauser war katholisch und sehr religiös. Seine Homosexualität brachte ihn in schwere moralische Konflikte. Am 8.Januar 1942 wurde er „nach der Messe abgefangen und verhaftet“, wie sich seine Nichte erinnert. Es wurde ihm „widernatürliche Unzucht“ mit einem anderen Mann vorgeworfen, die nach dem damals geltenden § 175 des Strafgesetzbuches mit Gefängnis bestraft wurde (der § 175 galt bis 1994). Es muss sich um einen sexuellen Kontakt zu einem erwachsenen Mann gehandelt haben, denn wenn Franz Klauser sich an Abhängigen oder Jugendlichen vergriffen hätte, wäre er nach § 175a zu einer Zuchthausstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Konstanz verhängte am 20.März 1942 gegen Franz Klauser eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten, die er im Gefängnis in Mannheim abbüßen musste.

Er wurde aber danach nicht in die Freiheit entlassen, sondern vom Gefängnis am 31.Mai 1944 in das KZ Natzweiler im Elsass überstellt. Von dort kam er mit einem Transport von 250 Häftlingen am 25.September 1944 in das KZ Dachau wo er die Häftlingsnummer „111 522 Homosexuell“ erhielt. Einen Monat später wurde er für nur wenige Tage in das KZ Neuengamme bei Hamburg verlegt. Schon am 1.oder 2. November 1944 kam er in das Außenlager Ladelund. Dort starb er bereits am 6.November als Siebenunddreißigjähriger.

Der SS-Oberscharführer Friedrich Otto Dörge gab dem Standesamt als Todesursache „Pneumonie“ an. Auf einer Gedenktafel auf dem Friedhof Ladelund wird sein Name neben 300 anderen Toten des Lagers Ladelund genannt. An seinem letzten frei gewählten Wohnort Überlingen wird nun auch an ihn erinnert.

Text: O. Burger

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