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Paul-Grüninger-Brücke

Diepoldsau-Au (CH)

In Diepoldsau, auf der Brücke zwischen Österreich und der Schweiz, wird seit 2012 an den einstigen St. Galler Polizeikommandanten Paul Grüninger erinnert: Hauptmann Grüninger (1891–1972) rettete in den Jahren 1938 und 1939 einige hundert, vielleicht mehrere tausend jüdische und andere Flüchtlinge vor der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung. Trotz schweizerischer Grenzsperre nahm er sie im Kanton St. Gallen auf, missachtete die Weisungen des Bundes und übertrat auch Gesetze, um die Flüchtlinge zu schützen. In Diepoldsau, wo die meisten jüdischen Flüchtlinge über die Grenze kamen, wurde für sie ein Auffanglager eingerichtet. Viele reisten später weiter und überlebten in der Schweiz, in Frankreich, in England, im damaligen Palästina oder in Amerika. Auf Betreiben der Eidgenössischen Fremdenpolizei wurde Paul Grüninger im Frühjahr 1939 von der St. Galler Regierung fristlos entlassen. 1940 verurteilte ihn das Bezirksgericht St. Gallen wegen Amtspflichtverletzung und Urkundenfälschung. Grüninger wurde verfemt und bald vergessen; mit seiner Frau lebte er lange Zeit in bitterer Armut. Erst ab 1968 gab es wieder Stimmen, die öffentlich für Paul Grüninger eintraten. Rufe nach einer Rehabilitation wurden laut, Yad Vashem in Israel zeichnete den St. Galler Polizeihauptmann als «Gerechten» aus. Wenige Monate vor seinem Tod erklärte Paul Grüninger auf die Frage eines Reporters, er würde in der selben Situation genau das gleiche noch einmal tun. Paul Grüninger starb – in der Welt bereits hochgeachtet, aber in St. Gallen nicht rehabilitiert – im Februar 1972 im Rheintaler Dorf Au, wo er die letzten Jahrzehnte in der Nähe seiner Tochter gewohnt hatte.

Text: S. Keller

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